Wer an Usedom denkt, hat oft die prächtige Bäderarchitektur, die belebten Promenaden und die weiten Sandstrände der Dreikaiserbäder im Kopf. Doch es gibt ein anderes, ein stilles Usedom. Ein Usedom, das nach wildem Thymian, Salz und Kiefernnadeln duftet. Wer die Halbinsel Gnitz im Norden der Insel über Neuendorf ansteuert und der Straße bis ans Ende folgt, erreicht genau diesen Sehnsuchtsort: das idyllische, verschlafene Fischerdorf Lütow. Ein verstecktes Juwel direkt am Achterwasser, das wie geschaffen ist für Menschen, die im Urlaub vor allem eins suchen: unberührte Natur, echte Erholung und tiefe Entspannung. Schon beim Ankommen in Lütow spürt man, wie der Alltagstrubel von einem abfällt. Das Dorf hat sich seinen ursprünglichen Charme als Fischerdorf bewahrt. Es gibt noch ein paar reetgedeckte Häuser, die sich sich sanft in die Landschaft einfügen und die Uhren scheinen hier ein kleines bisschen langsamer zu ticken.
Die Landschaft ist von einer wilden, melancholischen Schönheit geprägt. Auf der einen Seite weiten sich seltene Trockenwiesen, auf denen im Sommer Wildblumen blühen und Schafe gemütlich weiden. Auf der anderen Seite bricht die Küste abrupt ab: Eine urwüchsige Steilküste gibt den Blick frei auf das weite Achterwasser. Kiefern krallen sich hier in den sandigen Boden und trotzen den Elementen bevor sie unter der eigenen Last hinunterstürzen wenn die Herbstwinde an der Küste nagen. Wer hier spaziert, hört meist nur das Rufen der Wasservögel und das Rauschen des Windes in den Bäumen.
Ein Blick in die Steinzeit: Lütow ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch geschichtsträchtig. Unweit des Dorfes, eingebettet in die sanften Hügel des Gnitz, liegt das Großsteingrab Lütow. Das gut erhaltene Ganggrab aus der Jungsteinzeit (Megaliethgrab) ist ein magischer Kraftort, der gedanklich Jahrtausende zurückreicht und zum Innehalten einlädt.
Obwohl in Lütow die Entspannung an erster Stelle steht, bedeutet das keineswegs Langeweile. Das flache bis sanft hügelige Umland lädt dazu ein die Natur aktiv aus eigener Kraft zu entdecken.
Das Fahrrad ist hier das Verkehrsmittel der Wahl. Gut ausgebaute und beschilderte Radwege führen von Lütow aus quer über die Halbinsel Gnitz, vorbei an weiten Feldern und immer wieder mit weiten Ausblicken auf das Wasser. Wer möchte, radelt hinüber in das nahegelegene Ostseebad Zinnowitz, um etwas Trubel und feinen Ostseestrand zu genießen und kehrt am Nachmittag glücklich in die Ruhe der Lütower Oase zurück. Auch ausgedehnte Wanderungen und Nordic-Walking-Touren entlang der Steilküste bieten sich an, um Lunge und Kopf mit frischer, jodhaltiger Seeluft zu fluten.